Eine Freundschaft kann enden, ohne einen dramatischen Streit oder einen einzigen Moment, der erklärt, was schiefgelaufen ist. In einem Essay für Vogue beschreibt Chanté Joseph die besondere Traurigkeit darüber, enge Freundinnen und Freunde zu verlieren, während sich ihr Leben und ihre Beziehungen nach und nach verändern.

Joseph schreibt, dass sie das Fehlen früherer Freundinnen und Freunde an ihrem 30. Geburtstag belastete, obwohl sie mit Familie und Freunden auf einer Party im Stil einer Spielshow in West-London feierte. Einige Menschen, mit denen sie einst täglich gesprochen hatte, gehörten nicht mehr zu ihrem Leben. Besonders schwer fiel ihr ihre Abwesenheit, weil es keinen klaren Bruch und kein offensichtliches Fehlverhalten gegeben hatte.

Der Essay verknüpft diese Ungewissheit mit „eingefrorener Trauer“, einem von der Psychologin Pauline Boss geprägten Begriff für einen Verlust, der schwer zu verarbeiten ist, wenn seine Ursache unklar bleibt. Joseph stellt diese Erfahrung den Geschichten in den sozialen Medien gegenüber, die das Ende von Freundschaften als einfache Erzählungen über Verrat darstellen, in denen die eine Person als Opfer und die andere als Bösewicht gilt.

Mit Bezug auf Kat Vellos, die Autorin von „We Should Get Together“, beschreibt Joseph Freundschaft als etwas, das von Nähe, Häufigkeit, Kompatibilität und Verbindlichkeit abhängt. Wenn eine Freundschaft ohne ein bestimmendes Ereignis verblasst, sei möglicherweise eines oder mehrere dieser Elemente weggefallen.

Joseph erinnert sich an ihre Freundschaft mit Fi, mit der sie früher täglich gesprochen hatte. In einer arbeitsreichen Zeit verabredeten sie sich, doch später sagte Fi, sie habe andere Pläne gemacht, weil sie nichts von Joseph gehört hatte. Zu ihrer früheren Vertrautheit fanden sie nicht zurück. Joseph schrieb Fi an deren Geburtstag, doch Fi tat das an Josephs Geburtstag nicht. Bei einem späteren Treffen fühlte sich ihre Freundschaft deutlich anders an als zuvor.

Für Joseph bedeutete der Verlust nicht nur, einen Menschen zu vermissen. Sie verlor damit auch ein Unterstützungssystem und die Zukunft, die sie sich mit ihren Freundinnen und Freunden ausgemalt hatte. Freundschaften seien ihr sehr wichtig, sagt sie, und nicht bloß Ersatz für romantische Beziehungen.

Ihr Geburtstag erfüllte sie außerdem mit Dankbarkeit für Beziehungen, die entstanden waren, nachdem ältere Freundschaften verblasst waren, sowie für neue Rituale und Erinnerungen. Rückblickend verweist Joseph auf Elizabeth Days „Friendaholic“: Das Loslassen könne etwas Wichtiges über einen selbst offenbaren und möglicherweise selbst eine Form der Liebe sein.

Quellen: Vogue.