Eine Studie, die 200 ausrangierte Kleidungsstücke aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden verfolgte, hat ihre dokumentierten Wege durch 23 Länder nachgezeichnet und zugleich aufgezeigt, wie wenig darüber bekannt ist, was mit vielen Artikeln nach dem Export geschieht. Forschende von Eunomia Research & Consulting und Mepex untersuchten sechs Monate lang mithilfe von Ortungsgeräten, Handelsdaten und Interviews die internationale Lieferkette für gebrauchte Textilien.

Der letzte dokumentierte Standort von 71 Prozent der Kleidungsstücke lag in Europa. Auf Polen entfielen 30 Prozent der Stichprobe, auf die Slowakei 18 Prozent und auf Pakistan 14 Prozent. Insgesamt wurden 66 Prozent zuletzt in der Europäischen Union oder im Europäischen Wirtschaftsraum erfasst. Die übrigen Artikel wurden außerhalb dieser Märkte registriert, darunter im asiatisch-pazifischen Raum, in Afrika und im Nahen Osten.

Diese Ziele zeigen nicht unbedingt, wo die Kleidungsstücke letztlich verkauft, wiederverwendet, recycelt oder entsorgt wurden. Bei einigen endete die Ortung, bevor sie ihr Ziel erreicht hatten, und anhand der Geräte ließ sich nicht feststellen, was nach ihrem letzten dokumentierten Standort mit ihnen geschah. Die Forschenden erklärten zudem, dass herkömmliche Handelsdaten in der Regel nur das ursprüngliche Exportziel erfassen, nicht aber spätere Lieferungen oder Verarbeitungsschritte.

Nordische Sammler schicken unsortierte Textilien häufig ins Ausland, weil die Arbeitskosten im Inland hoch sind. Sortierzentren in Ländern wie Polen, Litauen, Deutschland, der Slowakei und Bulgarien sortieren und klassifizieren die Kleidung und leiten sie zur Wiederverwendung, Reparatur, zum Recycling oder zu anderen Verarbeitungswegen weiter. Anschließend können die Artikel weitere Großhändler und Märkte durchlaufen, bevor sie Verbraucherinnen und Verbraucher oder Behandlungsanlagen erreichen.

Die Studie erfasste vier Kleidungsstücke, die über Benin auf Gebrauchtwarenmärkten in Nigeria ankamen, obwohl Nigeria die Einfuhr gebrauchter Kleidung verbietet. Die Forschenden führten diese Route als Beispiel dafür an, wie Zwischenländer die Nachverfolgung erschweren. Sie dokumentierten jedoch weder illegale Ablagerungen noch unkontrolliertes Verbrennen oder Umweltverschmutzung durch austretende Stoffe an den afrikanischen oder asiatischen Zielorten.

Die Ergebnisse zeigten außerdem Unterschiede je nach Qualität der Kleidungsstücke: 56 Prozent der Artikel der Kategorie D, der niedrigsten Kategorie, wurden zuletzt außerhalb Europas erfasst. Bei Kleidungsstücken der Kategorie A waren es 24 Prozent, der Kategorie B 17 Prozent und der Kategorie C 33 Prozent. Die Forschenden wiesen darauf hin, dass die Wahl der Zielmärkte auch von der Jahreszeit, dem Stil, den Vorlieben vor Ort und den Handelsbeziehungen abhängen kann. So lässt sich nordische Winterkleidung in wärmeren Märkten möglicherweise schwerer verkaufen – unabhängig von ihrem Zustand.

Von den für den Bericht befragten Branchenvertretern hieß es, dass zunehmend größere Mengen preisgünstiger, beschädigter, verunreinigter und anderweitig schwer weiterzuverkaufender Kleidung in die Sammelsysteme gelangen. Die Forschenden erklärten, dies könne die Systeme unter Druck setzen, da europäische Vorschriften eine getrennte Sammlung von Textilien und Haushaltsabfällen verlangen.

Der Bericht empfiehlt klarere Klassifizierungen der Textilqualität, mehr Rechenschaftspflicht bei Exporten geringerer Qualität und Mindeststandards für Empfangseinrichtungen. Außerdem fordert er Investitionen in Sortier- und Recyclingkapazitäten in den nordischen Ländern sowie Unterstützung für Gebrauchtwarenmärkte, Reparaturbetriebe und eine langlebigere Produktgestaltung.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Sammlung allein nicht gewährleistet, dass Kleidung weiterverwendet wird: Um das Ergebnis zu verstehen, braucht es mehr Einblick in die Sortier-, Handels- und Verarbeitungsschritte nach dem Export. Ihre Ergebnisse stützen sich auf eine sechsmonatige Ortungsstudie und belegen nicht den endgültigen Verbleib jedes einzelnen Kleidungsstücks.

Quellen: WWD.