Die Regierung Bangladeschs hat einen sechsköpfigen Lohnausschuss gebildet, der die Löhne der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie überprüfen soll, während die Proteste gegen die niedrigen Löhne andauern. Nach der Bekanntgabe demonstrierten Tausende Beschäftigte in Dhaka und Umgebung. Es kam Berichten zufolge zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei, die Tränengas und Wasserwerfer einsetzte. Im Stadtteil Mirpur wurde ein Polizeifahrzeug in Brand gesetzt.
Die Beschäftigten fordern einen monatlichen Mindestlohn von 30.000 bangladeschischen Taka, verglichen mit den derzeitigen 12.500 Taka. Sie sagen, die steigenden Kosten für Lebensmittel, Transport, Wohnen und Gesundheitsversorgung machten es zunehmend schwieriger, von ihrem Verdienst zu leben. Auch Gas- und Stromengpässe haben zu Produktionsausfällen beigetragen, wodurch Überstundenvergütungen weniger verlässlich sind und einige Beschäftigte ihre Arbeit verloren haben.
Dem Ausschuss gehören jeweils zwei Vertreter der Beschäftigten und der Arbeitgeber, ein Regierungsvertreter sowie ein neutrales Mitglied an. Arbeitsminister Ariful Haque Choudhury sagte, der Ausschuss sei nach Gesprächen mit Vertretern der Beschäftigten und führenden Branchenvertretern eingerichtet worden. Er forderte die Beschäftigten auf, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, und warnte, dass anhaltende Störungen den Versand von Exportgütern und die Zahlungen internationaler Käufer verzögern könnten.
Der Verband der Bekleidungshersteller und -exporteure Bangladeschs erklärte, Proteste in mehreren Städten hätten den Betrieb in 529 Fabriken gestört und fast eine Million Beschäftigte betroffen. Verbandspräsident Mahmud Hasan Khan sagte gegenüber Reuters, die Branche könne auf eine „Keine Arbeit, kein Lohn“-Regelung zurückgreifen, falls die Proteste andauerten.
Die Behörden erklärten, seit Samstag seien mindestens 58 Polizeibeamte verletzt und 57 Menschen festgenommen worden. Nazma Akter, Leiterin der Awaj Foundation, einer Organisation für die Rechte der Beschäftigten, verurteilte Vandalismus und Brandstiftungen und sagte, Gewerkschaftsführer unterstützten solche Handlungen nicht. Außerdem forderte sie Marken dazu auf, höhere Löhne zu ermöglichen, indem sie ihren Zulieferern fairere Preise zahlen.
Interessenvertreter der Beschäftigten haben argumentiert, dass die Einkaufspraktiken der Marken die Gewinnspannen der Zulieferer unter Druck setzen und deren Möglichkeiten einschränken können, den Beschäftigten mehr zu zahlen. Die American Apparel & Footwear Association bezeichnete den Lohnausschuss als Chance, in einem transparenten Verfahren unter Einbeziehung von Arbeitnehmerorganisationen und Gewerkschaften einen fairen Mindestlohn festzulegen. Der Verband forderte außerdem, dass Beschäftigte sicher und frei an dem Verfahren teilnehmen können.
Der Innenminister Bangladeschs, Salahuddin Ahmed, sagte am Montag, die Regierung werde gegen rechtswidriges Verhalten vorgehen. Zudem erklärte er, Premierminister Tarique Rahman habe die Behörden angewiesen, die Rechte der Beschäftigten zu schützen und den Lebensstandard zu verbessern, während Produktion und Exporte weiterliefen.
Quellen: WWD.