Der Übergang der Modebranche zu transparenteren und nachhaltigeren Lieferketten wird sowohl von der Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen als auch branchenübergreifend abhängen, erklärten Redner bei einer Vorschauveranstaltung zur Fachmesse Munich Fabric Start, die im Januar beginnt. Strengere Vorschriften, digitale Produktpässe und wachsende Sorgen wegen Abfällen erhöhen den Druck auf Marken und Hersteller, sich anzupassen.

Muchaneta ten Napel, Gründerin und CEO von Shape Innovate, sagte, die Modebranche entwickle zwar Instrumente für Veränderungen, verändere aber die Systeme, in die diese eingebettet sind, nicht ausreichend. Ihrer Ansicht nach sollten Unternehmen zunächst ihre eigenen Teams aufeinander abstimmen – von Nachhaltigkeit und Design bis hin zu Public Relations und Buchhaltung –, bevor sie die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen suchen.

Die in London ansässige Damenmodemarke Nobody’s Child verfolgte diesen Ansatz, als sie digitale Produktpässe auf 1.400 Produkte ausweitete. Philippa Grogan, die Nachhaltigkeitschefin der Marke, stellte eine interne Arbeitsgruppe zusammen, um die Arbeit zu koordinieren und sicherzustellen, dass Produktinformationen von Teams wie dem Merchandising verfügbar waren.

Die Marke nutzt die Plattform Xelacore von Fabacus, die Informationen aus ihren internen Systemen mit Rückverfolgbarkeitsdaten von Fairly Made kombiniert. Das System erstellt serialisierte QR-Codes und führt Produktdaten aus Quellen zusammen, die zuvor voneinander getrennt waren. Grogan sagte, der Rahmen sei geschaffen, doch die Vollständigkeit jedes Produktpasses hänge weiterhin von der Qualität der Daten ab, die das Unternehmen bereitstellen könne.

Zulieferer hätten zunächst zurückhaltend auf die Weitergabe von Informationen reagiert, sagte Grogan. Nobody’s Child führte wiederholt Gespräche, um den Zeitplan für regulatorische Anforderungen und den Nutzen einer frühzeitigen Vorbereitung zu erläutern. Bei der Einführung wurde außerdem deutlich, dass Nachhaltigkeitsarbeit stärker in die Produktionsplanung integriert werden muss: Die Präferenz der Zulieferer, Etiketten über ihre eigenen Anbieter zu bestellen, stand im Konflikt mit dem Ziel der Marke, einen einzigen Partner mit der Verwaltung ihrer QR-Codes zu beauftragen.

Grogan sagte, die Marke habe gelernt, Zulieferer als Partner zu behandeln, statt ihnen einfach Anforderungen vorzugeben. Sie bot Berichte zum Saisonende über die Rückverfolgbarkeitsbewertungen der Zulieferer sowie Informationen zu Lebenszyklusanalysen an, damit diese ihre Fortschritte überprüfen konnten. Die Erfahrung unterstrich auch, wie wichtig es ist, Informationen zu erfassen, ohne Produkteinführungen zu beeinträchtigen.

Zusammenarbeit sei ebenso wichtig, wenn neue Materialien von der Entwicklung in die Fertigung überführt werden, sagte Elsa Parente, Co-CEO und CTO des portugiesischen Unternehmens Positive Materials. Die Herausforderung bestehe oft nicht allein darin, ein Material zu entwickeln: Unternehmen müssten auch feststellen, ob es Qualitätsanforderungen erfüllen, gleichbleibend hergestellt werden, in bestehende Lieferketten passen und einen wettbewerbsfähigen Preis erzielen könne.

Parente sagte, die frühzeitige Einbindung von Marken und anderen Partnern in die Entwicklung könne dazu beitragen, Materialien zu validieren und Anpassungen vorzunehmen, bevor sie eingeführt würden. Charles Allard Jr., Gründer und CEO von Delvify AI, beschrieb einen ähnlichen Bedarf in der Beschaffungsphase. Seine Plattform bietet Teams und Zulieferern einen gemeinsamen Ort, an dem sie Materialspezifikationen, Kollektionen und Nachhaltigkeitsinformationen prüfen können, statt sich auf verstreute E-Mails und Tabellen zu verlassen.

Allard sagte, Beschaffungsteams benötigten frühzeitig relevante Informationen, um beurteilen zu können, ob ein Material Preis- und Bestellanforderungen erfüllt und ob sich seine Nachhaltigkeitsangaben belegen lassen. Er fügte hinzu, Zertifikate und Referenzen von Zulieferern seien nur dann nützlich, wenn Teams sie finden und bewerten könnten und die Partner mit denselben Daten arbeiteten.

Auch die branchenweite Koordination sei Teil dieses Vorhabens, sagte Marie Demaegdt, Direktorin für Textilien und Nachhaltigkeit bei der Alliance for European Flax-Linen & Hemp. Die Organisation hat die Zertifizierung Masters of Flax Fiber für Produkte aus Flachs europäischen Ursprungs geschaffen sowie Masters of Linen, wofür die Spinn-, Web- und Strickstufen der textilen Wertschöpfungskette von europäischen Unternehmen ausgeführt werden müssen.

Demaegdt rief Unternehmen, die Flachs und Leinen verwenden, dazu auf, mit der Erprobung des digitalen Rückverfolgbarkeitssystems des Sektors zu beginnen, statt zu warten, bis alle Zulieferer eingebunden seien. Ein schrittweises Vorgehen könne dazu beitragen, auch kleinere Unternehmen in den Prozess einzubeziehen, sagte sie.

Quellen: WWD.